Samstag, 5. Dezember 2015

Millionen Monarchen

Drei Autobusstunden westlich von Mexico City findet man ein Naturspektakel der ganz besonderen Art. Im Reserva Mariposa Monarca versammeln sich jährlich unzählige Monarchenfalter zum überwintern aus Nordamerika.

Es gibt mehrere Orte die Schmetterlinge zu beobachten und ich habe den Berg Cierro Pelon gewählt, den man von der sonst unspektakulären Stadt Zitacuaro erreicht. 
Mit dem Taxi gings von eben dort ins kleine verschlafene Dorf Macheros wo man Eintritt für den Nationalpark sowie einen Guide buchen muss. 
Die Guides sind spanisch sprechende Einheimische und machen die Touren nach dem Rotationsprinzip. Von Anfang an hatte ich das Gefühl mein Auserwählter war nicht sonderlich glücklich über sein Schicksal heute auf den Berg aufzusteigen. 
Es gab die Optionen zu Fuß oder zu Pferd rauf zu kommen und da ich mir Zeit nehmen wollte und mir reiten allgemein ein wenig suspekt ist wollte ich zunächst ersteres. 
Mein Guide, John, war jedenfalls nicht gewillt zu Fuß zu gehen und war von Anfang an am Pferd. 

Also trottete ich seinem Gaul hinterher, was nach einer Zeit eher unlustig wurde. 





Also gut, dann halt doch aufm Gaul. Mir wurde ein Tier nachgebracht und von da an hatte Palomo die Ehre mich zu tragen. 
Der Wald rauf war wirklich sehr schön. Später wurde es dann ziemlich steil, was das Pferd einerseits sehr nützlich machte, andererseits auch sehr zum fürchten, da es sich schon ordentlich abmühte und auch das eine oder andere mal ausgerutscht ist. 














Nach einer Zeit kamen wir dann auf eine Wiese wo sich zum ersten mal die Falter zeigten. Überall schwirrten sie herum, echt atemberaubend. Leider wusste ich nicht wo bei dem Pferd der Stop Knopf war und so konnte ich nicht absteigen und sie mir genauer und länger ansehen. Vielleicht war das aber auch so gewollt um die Falter nicht zu stören. 






Danach gings noch ein Stück zu Pferd und dann zu Fuß bergauf zu einem weiteren Spot wo sich tausende von Ihnen tummelten. Hier hätte ich zum ersten mal wirklich eine bessere Kamera als mein Handy gebraucht, aber ich hoffe man kann die Schmetterlinge erahnen. 
Am Weg blühten überall die Blumen, von den vielen fliegenden Besuchern bestäubt. 








Rauf auf den Berg zu Pferd war zum fürchten, aber nichts gegen runter. Uiuiui. Am steilsten Stück hat Palomo dann auch noch zum bocken angefangen. Naja ich bin heil unten angekommen. 






Begleitet von zwei ansässigen Hunden habe ich hab dann noch ein wenig das Dorf und den Wald erkundet. 





 Die Millionen Monarchen sind wirklich ein einzigartiges Naturschauspiel und die ganze Gegend bietet ihm eine sehr idyllische Kulisse. Auch wenn mich die Art der Tour mit Zwangsguide und quasi Zwangspferd ein bisschen gestört hat, war es trotzdem ein tolles Erlebnis und ein sehr schöner Tag. 

Mittwoch, 2. Dezember 2015

Oaxaca

Oaxaca ist die Hauptstadt des gleichnamigen Bundesstaates, dem ärmsten Mexikos.
Vor tausenden Jahren war hier noch Jungle. Durch übertriebene Abholzung und Abwanderung von Bauern sieht es hier mittlerweile teilweise nach Wüste aus, umringt von Nadelwald bewachsenen Bergen. Ich habe mir sagen lassen, dass 56% der Einwohner in die USA auswandern und dass die Haupteinnahmequelle Devisen von dort sind.

Angekommen nach einer 12 stündigen Nachtbusfahrt habe ich hier eine nach in einem Hostel um am nächsten Abend wieder mit dem Nachtbus weiter nach México City zu ziehen.
Yay Nachtbusse!
Das ergibt also 2 Tage hier.
Der erste war für die Stadt. Das Zentrum Oaxcas hat den mir nun schon sehr bekannten Stil der Kolonialzeit Gebäude, viele Kirchen und Kathedralen, sowie schön hergerichteter Plätze. Hab ich zwar jetzt schon ein paar mal gehabt, trotzdem bringts Oaxcas mit viel Charme rüber. 







Auch hier gibt's einen tollen Markt samt Futterhalle. Tacos Tacos Mjam Mjam Mjam.
Spezialität der Region sind Mole und Mezcal. Mole ist eine spezielle Sauce, die in kalter Form Teigkonsistenz hat. Es gibt sie in vielen verschiedenen Ausführungen; rot, grün, schwarz und noch mehr.
In Mole wird dann zum Beispiel Huhn gekocht, was ich mir in der schwarzen, Chili - Schokolade, Variante gegönnt habe.
Mezcal ist von Hand hergestellter Schnaps aus Agave. Auch hier kann ich erster Hand bestätigen, dass dieser ganz köstlich ist.




Vor dem Regierungsgebäude zelten gerade Demonstranten und am Abend haben sie Kundgebungen. Ich konnte nicht genau herauszufinden worums geht. Irgendwas mit eingesperrten Lehrern, korrupten Machthabern und einer Organisation namens Cenco 22.




Zum Entspannen auf meiner Sightseeing tour hab ich ein paar alten Herren beim Basketball spielen zugesehen. Die bunten haben gewonnen. MVP war die #8 (am Bild gerade am werfen).
Auch fein war ein kleines Museum einer Grafikakademie.






Für meinen zweiten Tag hab ich mir eine Radtour vorgenommen. Das Mountainbike das ich gekriegt habe war in erstaunlich gutem Zustand und hat wirklich Spaß gemacht zu fahren. Insgesamt war ich von 9 bis um 19 Uhr unterwegs. Mein Knöchel hat ohne Murren alles mitgemacht. Quasi Wunderheilung.

Erste Station war Monte Alban. Die Ruinenanlage liegt auf einem Berg im Nordwesten der Stadt. Rauf gings 8km lang eine Serpentinenstraße. Schon der Blick dort ist Wahnsinn, aber der 360° Blick von oben ist wirklich atemberaubend.




Am Ticketschalter hab ich kurzerhand drei alte Damen gefragt ob sie sich nicht einen Guide teilen wollen. Es hat sich herausgestellt, dass eine der Damen der Guide war und ich hätte mir keinen besseren wünschen können. Silvia Pirez Ramirez stammt aus Oaxaca und Professorin der Anthropologie mit PhD aus Stanford, die in ihrer Freizeit Touren anbietet. Sie hätte wohl schier unendlich lang interessante Geschichten von sich geben können, nicht nur über die Ruinen selbst, sondern auch über die Fauna und die Region an sich.
Monte Alban wurde ursprünglich 2000 vor Christus von Olmeken errichtet und ist später unter den Zapateken zur bedeutendsten Metropole Mesoamerikas. Monte Alban ist eigentlich ein Übersetzungsfehler von Monte Albino, nach den hier wachsenden Casauaca Bäumen mit weißen Blüten.













Danach begann die wirkliche Radtour durch das Wüsten ähnliche Gebiet, das man vom Berg aus sieht. 
Es ging durch kleine Dörfer und über sanfte Hügel. Die meiste Zeit waren es Dirtroads, mal glatter, mal weniger glatt. 
Ich hatte einen ungefähren Plan in Form eines Google maps Ausdrucks. Speziell am Anfang hab ich mich alle 500 Meter mal durchgefragt. Unter anderem waren mit die zwei kleinen Burschen behilflich. 















Die ganze Zeit über brannte die Sonne vom Himmel und als mir dann gerade doch ein bisschen heiß wurde, bin ich auf die folgende Oase gestoßen und habe kurz Rast gemacht. 






Im nächsten Dorf wollte ich sann was essen, nur leider gab's kein Lokal oder sonst was. Das einzige was ich gefunden habe war ein kleiner Laden und einen neuen Freund. Von 20 Mexikanern kann vielleicht einer fließend englisch und ich hätte mir nie gedacht hier im Nirgendwo einen davon zu finden. Alexandro der Ladenbesitzer war aber einer von ihnen und zudem noch sehr freundlich und offen. Bei einem Bier haben wir eine Zeit geplaudert. Dann gab der 89 jährige Gabriel dazu und aus Bier würde Mezcal. Abermals schade, dass ich so wenig Zeit hier habe, da mir Alexandro anbot sie Gegend samt Bergen genauer zu zeigen. Naja, ein andermal. 




Ich musste dann aber wegen der sinkenden Sonne weiter. Letzte Station war Villa de Zaachilla bzw. deren food market. 
Danach begann der ein wenig gruselige Part der Tour. Ohne Licht 8km bei Nacht auf dem mexikanischen "Highway" (bei uns ca ne Landstraße). Bei jedem vorbeifahrenden Auto hab ich gebetet dass es mich nicht übersieht. Es haben mich alle gesehen und ich bin heil zurück. 



Oaxaca war toll und bietet sich wie Chiapas für die Wiederkehr an. Es gibt nicht so viele Touristen hier und die Gegend besticht mit einer ursprünglichen Schönheit, die von einer reichen Geschichte untermauert wird. 

Achja, und schönen Adventbeginn, fühlt sich hier wirklich nicht danach an ;)